Die regionale Monatszeitung
Kelterstraße 84 | 74182 Obersulm-Eichelberg
Tel.: 07130-405147 | Fax: 07130-405148 Tel.: 07130-405147 | Fax: 07130-405148 E-Mail: | Internet: www.dr-pfiff.de


We are the Champions

Rückblick auf die Fußball-WM 2014 in Brasilien

Also: der Titel stimmt, der Fußball-Champion für die nächsten vier Jahre heißt Deutschland! Was viele erhofft, manche erwartet haben ist eingetroffen, die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat es geschafft, ist verdient neuer Fußball-Weltmeister. Großartig!
In einem hochdramatischen Finale auf allerhöchstem Niveau was Kampfeswillen, Taktik und Bereitschaft angeht, besiegte die „goldene Generation“ (jetzt ist sie es wirklich!) um Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger ganz starke Argentinier in der Verlängerung durch Mario Götzes Traumtor mit 1:0.
Im Endspiel standen mit Argentinien und Deutschland die definitiv beiden besten Mannschaften der WM.
Einer WM, die alles bisher dagewesene in den Schatten stellte. Schon in der Gruppenphase gab es tolle Matches, viele Tore und ein Offensivspektakel nach dem anderen, zum Beispiel der 5:1 Triumph der Niederlande gegen den Titelverteidiger aus Spanien! Alle Spekulationen, dass bei dem schwül-heißen Klima in Brasilien kein guter Fußball geboten wird waren schnell Makulatur. Und die „Kleinen“ hielten munter mit, allen voran Costa Rica, das Italien, Uruquay und England Paroli bot und die Ex-Weltmeister aus Europa auf die Heimreise schickte! Endstation für die wackeren Mittelamerikaner war dann erst im Viertelfinale gegen Holland und auch da erst im Elfmeterschießen, Klasse!
Probleme hatte spätestens ab dem Achtelfinale gegen Chile der Gastgeber Brasilien, der „am Tropf“ seines Superstars Neymar hing und als dieser ausfiel brachen alle Dämme. Das Halbfinale gegen Deutschland und die historische 1:7 Niederlage geht in die Geschichte ein, davon werden sie in Deutschland noch ihren Enkeln erzählen!
Ab der KO-Runde im Achtelfinale wurde es dann super-spannend. Fünf von acht Partien wurden erst in der Verlängerung bzw. im Elfmeterschießen entschieden. Auch Deutschland, Gruppensieger in der Vorrunde nach Siegen gegen Portugal und die USA und einem Remis gegen Ghana, hatte größte Mühe, um Algerien zu besiegen. Dann aber passierte etwas, was letztlich diese WM mit entschieden hat. Trainer Jogi Löw, der bis dahin eher als stur galt, stellte sein Team komplett um und nahm damit den Schlüssel für das weitere Turnier in die Hand.
Im Viertelfinale gegen Frankreich (10) und erst Recht im Semifinale gegen Brasilien stand die zuvor wacklige deutsche Abwehr bombensicher und legte damit den Grundstein fürs Weiterkommen.
Noch immer stehen wir – und steht die Fußballwelt – unter dem Eindruck der Gala gegen den WM-Gastgeber, den unser Team total entzauberte. Eine 5:0 Führung nach dreißig Spielminuten hat es nie zuvor in der WM-Geschichte gegeben. Gut Brasilien musste mit Neymar und Thiago Silva ihre beiden Besten ersetzen, doch damit allein lässt sich die Schmach von Belo Horizonte nur unzureichend erklären. Es war einfach eine Sternstunde der Deutschen, die gespielt haben wie im Training und Fußball „von einem anderen Stern“ boten.
Jetzt – endgültig – waren alle überzeugt, dass diese Mannschaft nach den Sternen greifen und Weltmeister werden konnte. Aber, würde es Trainer Löw gelingen, nach diesem außergewöhnlichen Spiel seine Helden „zu erden“ und auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen?
Was mut machte, waren die Interviews unserer Spieler, die sachlich blieben und sich im Klaren waren, dass das Finale gegen Argentinien ein völlig anderes Spiel werden würde. Gut so, weil – es wurde ein völlig anderes Spiel! Ein Spiel auf Augenhöhe, zwischen den Topteams dieser WM, die beide völlig zurecht im Endspiel standen.
Dabei hatte Argentinien in der ersten Halbzeit besseren Chancen und unsere Elf Glück, dass ein Abseitstor von Higuain nicht gegeben wurde. Mit der Dauer des Spiels bekam unsere Mannschaft dann die Dinge immer besser in den Griff, wurde dominanter, musste aber in die Verlängerung nach 0:0 in den ersten 90 Minuten.
Dann aber baute Argentinien ab, musste der 120-Minuten-Halbfinalpartie gegen Holland Tribut zollen und sieben Minuten vor Schluss war es soweit: der agile Schürrle stürmte auf dem linken Flügel durch, flankte zur Mitte und der eingewechselte Mario Götze erzielte ein Traumtor. Dank überragender Technik und individuellen Fähigkeiten, die man nicht erlernen kann. Der Rest war Formsache, Argentinien konnte nach dem intensivsten WM-Finale der Geschichte einfach nicht mehr reagieren und trotz viel zu langer Nachspielzeit schafften es die Deutschen: Weltmeister!
Jetzt kannte der Jubel keine Grenzen mehr und es spielten sich Szenen ab, die ans Herz gingen. Allein die Umarmung zwischen Trainer Jogi Löw und seinem emotionalen Leader Bastian Schweinsteiger war zum „Niederknien!“ Deutschland war im Glück und die Welt verneigte sich vor einem verdienten Fußball-Weltmeister.
Wieder einmal zeigte sich unser Team als echte Turniermannschaft, die sich enorm steigern konnte und aus ihren Fehlern (gegen Ghana und Algerien) die richtigen Schlüsse zog. Dabei sind alle gewachsen, nicht zuletzt das Trainerteam um den zuvor nicht unumstrittenen Jogi Löw. Nach dieser Weltmeisterschaft bekam Deutschland den allerhöchsten Respekt von der Konkurrenz und es wurde neidlos anerkannt, dass die richtige Mannschaft Weltmeister wurde!
Abschließendes Fazit der WM: Deutschland hat nach bitteren Erfahrungen zwischen 1994 und 2004 die richtigen Schlüsse gezogen und durch die Ausbildung junger Fußballer die Weichen gestellt für den WM-Titel 2014.
Jetzt ist es an den anderen Nationen, es uns gleichzutun und den Rückstand aufzuholen. Und wir sollten nicht den Fehler machen uns wie 1990 für unschlagbar zu halben („gell Franz!“), denn darin liegt die größte Gefahr. Wenn wir – erneut – auf dem Boden bleiben hat unsere Mannschaft auf Jahre hinaus eine glänzende Perspektive. Mit einem großen Reservoir an guten jungen Spielern kann man eine Ära des deutschen Fußballs einleiten und bei der EM 2016 in Frankreich und der WM in Russland erneut voll angreifen.
Tolle Aussichten und es bleibt zudem die Hoffnung, dass der WM-Teil unserer Nationalmannschaft auf die vielen Amateurkicker und vor allem auf die Jugend in Deutschland ausstrahlt und einen Boom auslöst weil alle gesehen haben, dass es sich lohnt sich voll einzubringen und sein Bestes zu geben.
Auch nicht die schlechteste Botschaft der Weltmeisterschaft 2014!

von Bernd Kübler

 


Download